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Alexander Jäger über Anstands- und Ekelgrenzen

Zum Thema Schockbilder auf Tabakverpackungen schreibt Alexander Jäger in der Facebook-Gruppe von Netzwerk Rauchen e.V.:

Die Überschreitung von Anstands- oder Ekelgrenzen ist übrigens ein sehr heikles Thema. Wenn man sich als Künstler einmal entschlossen hat, eine solche Grenzüberschreitung zu begehen, gibt es kein Zurück mehr. Beispielsweise in meinem kleinen Buch: Ab dem Moment, in dem ich den griechischen Kackspecht als Figur einführe, gibt es nur noch den Weg weiter vorwärts auf der Ekel- bzw. später der Gewaltspirale; wenn in einem Film die erste Splatterszene zu sehen ist, müssen zwangsläufig weitere folgen, sonst funktioniert das Ganze nicht mehr, ebenso wie ein Film nach einer pornographischen Sequenz nicht mehr als seriöses Drama weitergehen kann. Der Schock überschattet gewissermaßen das Gesamtwerk und wird zu einem hartnäckig aufsässigen Detail (darum ist beispielsweise „Ein andalusischer Hund“ bis heute in erster Linie der Film mit der Rasierklinge im Auge, was sonst noch so geschieht, wird irrelevant).
Die Frage ist, was die EU vorhat, nachdem die Eskalationsstufe „Schockfotos“ nun erreicht wurde? Zurück zur Sachlichkeit geht nicht mehr, es bleibt der Überbietungslogik zufolge praktisch nur noch das Mittel der antiästhetischen Steigerung, schon alleine aufgrund der unvermeidlichen Gewöhnung und Abstumpfung. Ich bin gespannt, denn Gore Galore ist vorprogrammiert.

Erneut Schocktoter erkannt – Leichenfledderei?

Der Abgebildete auf einem der 14 Ekelbilder, die auf den Tabakpackungen prangen, ähnelt offenbar einer Vielzahl ehemaliger Krankenhauspatienten, toter wie lebendiger. (Wir berichteten.) Den Beweis, dass es sich nur um einen Schauspieler handle, hat die für die Horrorverzierungen verantwortliche EU-Kommission bisher nicht erbringen können.

Jetzt wurde erstmals auf einem anderen Motiv eine auffällige Ähnlichkeit festgestellt. Ein etwas jüngerer Herr in einem Leichensack wurde von einem Ehepaar aus Meckenheim bei Bonn als deren verblichener Sohn identifiziert. Dieser war vor 10 Jahren im Alter von 36 an einer schweren Darmkrankheit verstorben. Mit dem Rauchen hatte dieser Todesfall selbstverständlich nichts zu tun, wie überhaupt das Bild postfaktisch vorgaukelt, jüngere Menschen stürben häufig „am Rauchen“.

Bemerkenswert: Die bestürzten Eltern erkannten den Leichensack wieder. Hoffentlich veranlasst die von ihnen eingeschaltete Rechtsanwältin, dass der Brüsseler Apparat endlich die Karten auf den Tisch legt und sich nicht länger weigert, die Identität der angeblichen Grusel-Models preiszugeben. Tote fotografieren und die Bilder ohne Einverständnis der Angehörigen verwenden? Geschäftspartnern der EU-Gesundheitstaliban wäre solche Leichenfledderei zum Zwecke billiger Propaganda jedenfalls zuzutrauen.

Ab dem Sommer wird die zweite der drei Fotoserien (mit 14 anderen Motiven zu den gleichen Sprüchen – (same toilet, different shit) nach und nach auf den Packungen erscheinen. Vielleicht kommt es dann zu neuen Wiedererkennungseffekten, was die abgelichteten Personen betrifft. Wenn Sie jemanden zuordnen können, zögern Sie nicht, Netzwerk Rauchen zu verständigen, z.B. über unser Kontaktformular.

Nachhaltiger Unfug über Tabak und Umwelt

Foto: Tabakpflanzen im Botanischen  Garten Bremen. Man sieht die verheerenden ökologischen Folgen auf einen Blick

Wenn man die Modeformel des Öko-Denkens, „nachhaltig“, mit Orwellschem Neusprech kombiniert („unkalt“, „undunkel“) kommt dabei „unnachhaltig“ heraus.

„‚Tabak ist ein durchweg unnachhaltiges Produkt, von Anfang bis Ende‘“, wird eine Mitarbeiterin von Unfairtobacco.org in der Süddeutschen Zeitung zitiert. Der Artikel beschäftigt sich mit Umweltfragen beim Tabak und erweckt den Eindruck, dass bald der Weltuntergang bevorstünde, wenn weiter Tabakpflanzen angebaut werden.

Die Süddeutsche Bevormundungs-Zeitung (SBZ) fungiert traditionell als Sprachrohr der organisierten Tabakbekämpfung in Deutschland und jede noch so unseriöse Propaganda gegen das Rauchen ist immer herzlich willkommen. Der in Rede stehende Beitrag erfolgte in Kooperation mit dem Öko-Magazin natur, wo man normalerweise eher den Fleischkonsum böse findet, aber offenbar wird von der Anbetung der pflanzlichen Natur auch mal eine Ausnahme gemacht – nämlich, wenn es gegen den Tabak geht.

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Marken sind Gewinner der Regulierung

„Nach der Einführung der Schockbilder auf Zigarettenpackungen orientieren sich die Käufer wieder stärker am Markennamen. Marken geben Verbrauchern die Sicherheit, beim Kauf eine richtige Entscheidung zu treffen“, zitiert der Artikel einen Wissenschaftler der Markenrelevanzstudie.
Ob diese Sicherheit beim Zigarettenkauf tatsächlich besteht, darf bezweifelt werden. Das Verbot von Geschmacks- und Zubereitungsstoffen kann dazu führen, dass die bisherigen Erwartungen nicht mehr befriedigt werden. Die Studienergebnisse legen nahe, dass Reglementierungen den Platzhirschen zu Gute kommen. Neue Anbieter und neue Marken haben es zusehends schwerer, die Aufmerksamkeit der Konsumenten zu gewinnen, da die Ekelbilder und Ekeltexte auf Tabakpackungen die – durch weitgehende Werbeverbote ohnehin eingeschränkte – Kommunikation mit dem Kunden erschweren:

Studie: Warum die Relevanz von Marken wieder steigt

 

Schockbild gesucht – tot oder lebendig

Auf einem der aktuellen Ekelbilder auf Tabakpackungen haben Angehörige und Bekannte bereits vor ein paar Monaten einen verstorbenen österreichischen Nichtraucher wiedererkannt, wie wir berichteten.

Zwischenzeitlich sind eine Witwe aus Belgien und ihr Sohn ihrem toten Gatten bzw. Vater wiederbegegnet – auf dem gleichen Schockporträt. Jetzt ergreift ein Frührentner aus dem Saarland das Wort, der sich selbst dort porträtiert sieht – nach einer Gehirn-OP vor 15 Jahren. Damit nicht genug: In Österreich haben sich zwei weitere Betroffene gemeldet. Es geht um einen 2001 an Lungenkrebs gestorbenen Ex-Gatten sowie einen lebendigen Polen. Die EU-Kommission beharrt weiterhin darauf, ein ominöser deutscher Schauspieler sei abgebildet, dessen Identität man nicht preisgeben wolle.

Statt der propagandistischen und manipulativen Textbotschaften sollte auf den Verpackungen vielleicht der schwarz umrandete Warnhinweis prangen: „Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig“.

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