Archiv der Kategorie: 5|   HINTERGRÜNDE DIESER ZUMUTUNG

Erneut Schocktoter erkannt – Leichenfledderei?

Der Abgebildete auf einem der 14 Ekelbilder, die auf den Tabakpackungen prangen, ähnelt offenbar einer Vielzahl ehemaliger Krankenhauspatienten, toter wie lebendiger. (Wir berichteten.) Den Beweis, dass es sich nur um einen Schauspieler handle, hat die für die Horrorverzierungen verantwortliche EU-Kommission bisher nicht erbringen können.

Jetzt wurde erstmals auf einem anderen Motiv eine auffällige Ähnlichkeit festgestellt. Ein etwas jüngerer Herr in einem Leichensack wurde von einem Ehepaar aus Meckenheim bei Bonn als deren verblichener Sohn identifiziert. Dieser war vor 10 Jahren im Alter von 36 an einer schweren Darmkrankheit verstorben. Mit dem Rauchen hatte dieser Todesfall selbstverständlich nichts zu tun, wie überhaupt das Bild postfaktisch vorgaukelt, jüngere Menschen stürben häufig „am Rauchen“.

Bemerkenswert: Die bestürzten Eltern erkannten den Leichensack wieder. Hoffentlich veranlasst die von ihnen eingeschaltete Rechtsanwältin, dass der Brüsseler Apparat endlich die Karten auf den Tisch legt und sich nicht länger weigert, die Identität der angeblichen Grusel-Models preiszugeben. Tote fotografieren und die Bilder ohne Einverständnis der Angehörigen verwenden? Geschäftspartnern der EU-Gesundheitstaliban wäre solche Leichenfledderei zum Zwecke billiger Propaganda jedenfalls zuzutrauen.

Ab dem Sommer wird die zweite der drei Fotoserien (mit 14 anderen Motiven zu den gleichen Sprüchen – (same toilet, different shit) nach und nach auf den Packungen erscheinen. Vielleicht kommt es dann zu neuen Wiedererkennungseffekten, was die abgelichteten Personen betrifft. Wenn Sie jemanden zuordnen können, zögern Sie nicht, Netzwerk Rauchen zu verständigen, z.B. über unser Kontaktformular.

Schockbild gesucht – tot oder lebendig

Auf einem der aktuellen Ekelbilder auf Tabakpackungen haben Angehörige und Bekannte bereits vor ein paar Monaten einen verstorbenen österreichischen Nichtraucher wiedererkannt, wie wir berichteten.

Zwischenzeitlich sind eine Witwe aus Belgien und ihr Sohn ihrem toten Gatten bzw. Vater wiederbegegnet – auf dem gleichen Schockporträt. Jetzt ergreift ein Frührentner aus dem Saarland das Wort, der sich selbst dort porträtiert sieht – nach einer Gehirn-OP vor 15 Jahren. Damit nicht genug: In Österreich haben sich zwei weitere Betroffene gemeldet. Es geht um einen 2001 an Lungenkrebs gestorbenen Ex-Gatten sowie einen lebendigen Polen. Die EU-Kommission beharrt weiterhin darauf, ein ominöser deutscher Schauspieler sei abgebildet, dessen Identität man nicht preisgeben wolle.

Statt der propagandistischen und manipulativen Textbotschaften sollte auf den Verpackungen vielleicht der schwarz umrandete Warnhinweis prangen: „Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig“.

Schockbild gesucht – tot oder lebendig weiterlesen

Was ist die „TPD2“?

Die Tabakproduktrichtlinie (TPD) der EU stammt von 2001 und trat in den Folgejahren in Kraft. Die Überarbeitung (TPD2) von 2014 gilt in Deutschland ab dem 20. Mai 2016.

Auf Ebene der EU findet eine besonders freiheitsfeindliche Bekämpfung des Tabakkonsums statt, da die Pläne des medizinisch-industriellen Komplexes bzw. der Anti-Tabak-Lobby in Brüssel auf fruchtbareren Boden fallen als in vielen Mitgliedsstaaten der EU. Netzwerk Rauchen lehnt Gleichschaltung durch solche Regulierung ab und hat sich während des Gesetzgebungsprozesses gegen weitere Verschlechterungen eingesetzt.

TPD (2001):
Einführung der Textwarnungen mit schwarzem Trauerrand (= Verunstaltung der Packungen, manipulative Botschaften)
Verbot der Bezeichnungen „Light“ und „Mild“ (= weniger Orientierung für Raucher)
Einführung der Höchstwerte für Nikotin und Kondensat (= kein richtig starker Tabak mehr)
u. a.

TPD 2 (2014):
Einführung der Ekelbilder in Kombination mit den Propagandatexten
Verbot des Aufdrucks von Nikotin- und Kondensat-Werten auf den Packungen (= Wegfall von Verbrauche­r-information)
Verbot von Aromastoffen in der Zubereitung (= weniger Geschmacksvielfalt und -auswahl, dadurch insgesamt schlechtere Produktqualität)
u. v. a.

Ab dem 20. Mai 2016 gelangen nach und nach die verschandelten Packungen in die Läden und Automaten.

Die EU, sie wird vergehn,
unser Tabak bleibt bestehn.

warn_lebenserw

Der Nocebo-Effekt

Jeder kennt den Placebo-Effekt: Wirkstofflose Medikamente können heilen, weil der Patient an eine Wirkung glaubt. Das „funktioniert“ auch umgekehrt. Wer der Überzeugung ist, irgendeine Handlung mache ihn krank, der wird irgendwann krank werden. Das ist der Nocebo-Effekt.
Wer weiß, wie viel Schaden die immer selbe Leier von den ach so bösen Gefahren des Rauchens  in den letzten Jahren bereits angerichtet hat. Das sagte selbst die Wissenschaftssendung „Quarks & Co.“ (WDR, mit Ranga Yogeshwar). Auf deren Webseiten hieß es schon 2005, als reine Textbehauptungen und noch keine Bilder die Tabakschachteln verunstaltet haben:

„Möglicherweise löst schon der Warnhinweis Krebs aus. […] Angesichts eines so massiven Noceboeffektes ist es fraglich, ob es wirklich heilsam ist, wenn […] auf Zigarettenpackungen Hinweise über die Risiken des Rauchens stehen. Möglicherweise wecken gerade diese kurzen Sätze in den Konsumenten die Erwartung, tatsächlich an Lungenkrebs zu erkranken. Und das macht die Entstehung eines solchen Krebsleidens möglicherweise nur noch wahrscheinlicher.  Schließlich belegen Placebo- und Noceboeffekt, wie extrem wirkungsvoll positive und negative Erwartungen sein können.“

Und nun die Krankheitspornos, die alsbald zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden können. Nicht genug, dass man sich mit diesen Ekelbildern über leidende Menschen lustig macht und sie verhöhnt. Die EU und der Bundesgesetzgeber nehmen sehenden Auges in Kauf, dass Menschen durch diesen Schockfotos gesundheitlich beeinträchtigt werden, ganz gleich ob sie nun rauchen oder nicht. Man macht sich auf diese Weise schuldig an zahllosen schweren Erkrankungen, sogar an Todesfällen.