Alexander Jäger über Anstands- und Ekelgrenzen

Zum Thema Schockbilder auf Tabakverpackungen schreibt Alexander Jäger in der Facebook-Gruppe von Netzwerk Rauchen e.V.:

Die Überschreitung von Anstands- oder Ekelgrenzen ist übrigens ein sehr heikles Thema. Wenn man sich als Künstler einmal entschlossen hat, eine solche Grenzüberschreitung zu begehen, gibt es kein Zurück mehr. Beispielsweise in meinem kleinen Buch: Ab dem Moment, in dem ich den griechischen Kackspecht als Figur einführe, gibt es nur noch den Weg weiter vorwärts auf der Ekel- bzw. später der Gewaltspirale; wenn in einem Film die erste Splatterszene zu sehen ist, müssen zwangsläufig weitere folgen, sonst funktioniert das Ganze nicht mehr, ebenso wie ein Film nach einer pornographischen Sequenz nicht mehr als seriöses Drama weitergehen kann. Der Schock überschattet gewissermaßen das Gesamtwerk und wird zu einem hartnäckig aufsässigen Detail (darum ist beispielsweise „Ein andalusischer Hund“ bis heute in erster Linie der Film mit der Rasierklinge im Auge, was sonst noch so geschieht, wird irrelevant).
Die Frage ist, was die EU vorhat, nachdem die Eskalationsstufe „Schockfotos“ nun erreicht wurde? Zurück zur Sachlichkeit geht nicht mehr, es bleibt der Überbietungslogik zufolge praktisch nur noch das Mittel der antiästhetischen Steigerung, schon alleine aufgrund der unvermeidlichen Gewöhnung und Abstumpfung. Ich bin gespannt, denn Gore Galore ist vorprogrammiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*