Die erste Ekelpackung

Ekel – Jetzt im Handel

Als am 20. Mai die deutsche Umsetzung der EU-Tabakproduktrichtlinie (TPD 2)in Kraft trat, haben wir prognostiziert, dass es bei einigen Tabakwaren nur Wochen dauert, bis die neuen Packungen mit den Ekelbildern in den Einzelhandel gelangen. Der Deutsche Zigarettenverband (DZV) hatte zwar kürzlich Medienberichten zufolge vermutet, vor „Spätsommer oder Herbst“ würden sie nicht an Endkunden verkauft, aber wir waren besser informiert.

Ekelschachtel von vorne
Ekelschachtel von vorne

Vorgestern hat ein Netzwerk-Rauchen-Mitglied eine der neuen Zigarettenschachteln im Geschäft aufgespürt und sie zu Präsentationszwecken erworben (siehe Bilder in diesem Beitrag). Grund genug, sich mit dem Hamsterkauf zu beeilen! Es geht dabei nicht nur um die Ekelfotos, sondern auch um veränderte Rezepturen (Gefahr der Geschmacksverschlechterung) und den Tod einiger Marken, die bald gar nicht mehr erhältlich sein werden.

Die neuen Packungen werden tröpfchenweise die alten verdrängen. Das Ende der gesetzlichen Abverkaufsfrist im Mai 2017 werden wohl nur ein paar Ladenhüter sowie einige Produkte im Bereich Zigarre/Zigarillo erleben. Wie lange es im Einzelfall dauert, bis die TPD2-konformen Produkte den Markt durchdrungen haben, kommt sicherlich auf Hersteller, Marke und Ort an. Wer seine Lieblingsmarke in einem Geschäft nur mit Ekelbildern vorfindet, ist jetzt noch gut beraten, in einem anderen Laden sein Glück zu versuchen.

Ekelschachtel von hinten
Ekelschachtel von hinten

Der Anblick der EU-verunstalteten Schachtel zeigt, wie wenig Raum dem Hersteller für sein Logo und weitere Informationen bleibt. Und wie wenig Raucher sich am Design erfreuen können. Es geht übrigens noch schlimmer: Die Antiraucher hätten am liebsten überall das sogenannte Plain Packaging, das es vor allem in einigen angelsächsischen Ländern schon gibt. Dann gäbe es nicht mal Markenlogos, sondern nur noch Einheitsfarbe und einheitliche Schriftart.

Ironischerweise zeigt die erste von uns gefundene Schachtel als Motiv einen Herrn, bei dem es sich möglicherweise nicht um einen Schauspieler handelt, sondern um einen verstorbenen Österreicher, der lebenslanger Nichtraucher war und der ohne Einwilligung abgelichtet worden wäre. Dieses Motiv und alle 13 anderen aus der ersten Bilder-Jahresgruppe haben wir in einer Online-Galerie kommentiert.

Seitlich finden wir auf der Schachtel den Hinweis „Rauchen ist tödlich“ vor. Der wird auf allen Packungen erschienen. Bisher hieß es: „Rauchen kann tödlich sein“. Das war auch Angstmache, aber etwas weniger krass irreführend. Richtig wäre: „Das Leben endet immer tödlich“.

Rauchen ist tödlich, das Leben sowieso
Rauchen ist tödlich, das Leben sowieso

Auf der anderen Seite prangt: „Tabakrauch enthält über 70 Stoffe, die erwiesenermaßen krebserregend sind.“ Was dort nicht steht: Für Menschen sind nur etwa eine Handvoll davon nachweislich krebserregend, deren Dosis ist gering, und übrigens, wie der Wissenschaftsjournalist Thilo Spahl schreibt: „Fast alles, was wir essen, kann Krebs erzeugen.“

4 Gedanken zu „Ekel – Jetzt im Handel“

  1. Soweit ich weiß, müssen die Bilder auf beiden Seiten im oberen Bereich angebracht werden. Somit wäre die gezeigte Schachtel illegal.

    Im übrigen hat auch das behandelnde Krankenhaus gesagt, dass es sich ganz sicher nicht um den österreichischen Nichtraucher handelt, da die Geräte dieses Krankenhaus gar nicht besitzt.

    1. Hallo Frau Pichler,

      nein, die Schachtel ist TPD2-konform. Die Ekelbilder sind korrekt angebracht. Illegal ist möglicherweise das Motiv auf Grund von Persönlickheitsverletzung. Das werden wir erfahren, sobald es in dem Verfahren ein Urteil gibt.

      Grüße
      Netzwerk Rauchen

      1. Hallo.

        Also im Gesetz steht: wörtlich: „Markennamen oder Logos dürfen nicht oberhalb des kombinierten Text-Bild-Warhinweisen angebracht werden“. Und das gilt für beide Seiten. Somit dürfte die gezeigte Schachtel nicht zulässig sein.

        1. Aber das Logo ist doch unterhalb des Ekelbildes. Und auf der Rückseite findet sich kein Logo. Ich gehe mal davon aus, dass die Juristen von BAT ihr Handwerk verstehen und das Gesetz gründlich gelesen haben 😉

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