Der Nocebo-Effekt

Jeder kennt den Placebo-Effekt: Wirkstofflose Medikamente können heilen, weil der Patient an eine Wirkung glaubt. Das „funktioniert“ auch umgekehrt. Wer der Überzeugung ist, irgendeine Handlung mache ihn krank, der wird irgendwann krank werden. Das ist der Nocebo-Effekt.
Wer weiß, wie viel Schaden die immer selbe Leier von den ach so bösen Gefahren des Rauchens  in den letzten Jahren bereits angerichtet hat. Das sagte selbst die Wissenschaftssendung „Quarks & Co.“ (WDR, mit Ranga Yogeshwar). Auf deren Webseiten hieß es schon 2005, als reine Textbehauptungen und noch keine Bilder die Tabakschachteln verunstaltet haben:

„Möglicherweise löst schon der Warnhinweis Krebs aus. […] Angesichts eines so massiven Noceboeffektes ist es fraglich, ob es wirklich heilsam ist, wenn […] auf Zigarettenpackungen Hinweise über die Risiken des Rauchens stehen. Möglicherweise wecken gerade diese kurzen Sätze in den Konsumenten die Erwartung, tatsächlich an Lungenkrebs zu erkranken. Und das macht die Entstehung eines solchen Krebsleidens möglicherweise nur noch wahrscheinlicher.  Schließlich belegen Placebo- und Noceboeffekt, wie extrem wirkungsvoll positive und negative Erwartungen sein können.“

Und nun die Krankheitspornos, die alsbald zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden können. Nicht genug, dass man sich mit diesen Ekelbildern über leidende Menschen lustig macht und sie verhöhnt. Die EU und der Bundesgesetzgeber nehmen sehenden Auges in Kauf, dass Menschen durch diesen Schockfotos gesundheitlich beeinträchtigt werden, ganz gleich ob sie nun rauchen oder nicht. Man macht sich auf diese Weise schuldig an zahllosen schweren Erkrankungen, sogar an Todesfällen.

 

4 Gedanken zu „Der Nocebo-Effekt“

  1. Ein Klassiker der Nocebo-Forschung, der durch Zufall offenbarte, wie die stark falschen Befürchtungen wirken. Ein junger Mann beteiligte sich an einem Blindversuch. Eine Gruppe enthielt Tabletten, die tatsächlich ein Antidepressivum enthielten, die Vergleichsgruppe ein reines Scheinpräparat. Der Mann gehörte – selbstverständlich ohne es zu wissen – zu denen, die Tabletten ohne Wirkstoff bekamen. Während der Teilnahme an der Testreihe geschah dann etwas, was überhaupt nichts mit dem Versuch zu tun hatte: Der Proband wurde von seiner Freundin verlassen. Verzweifelt nahm der Mann eine Überdosis des vermeintlichen Antidepressivums – in der festen Überzeugung, damit sein Leben zu beenden. Nach Einnahme der wirkstofflosen Tabletten brach sein Kreislauf zusammen. Sein dramatisch abgesunkener Blutdruck ließ sich erst stabilisieren, als er erfuhr, daß er ein Scheinpräparat geschluckt hatte.
    Erschreckendes dazu ausführlich auf Sackstark.INFO

    Carolus Magnus

    1. Hallo,

      da hätte ich gerne eine seriöse Quelle zu. Hört sich total unglaubwürdig an, dass bei einer Studie, eines neues Antidepressivums (bei denen bekannt ist, dass diese als NW suizidale Gedanken verstärken können), der Patient Zugang zu so einer großen Menge Tabletten hat, bzw so viele mitbekommt, dass er meint, es wären genug für einen Selbstmord. Selbst wenn das keine Doppelblindstudie war, man also wusste, dass er das Placebo bekommt. Bei Antidepressiva werden eigtl nur Doppelblindstudien durchgeführt…

      1. Allein der im Artikel verlinkte Wikipediaartikel enthält zahlreiche interessante Quellenangaben. Speziell zu dem im vorangegangenen Kommetar erwähnten Fall können wir nichts beitragen, was aber an der grundsätzlich nachgewiesenen Wirksamkeit des Nocebo-Effektes nichts ändert. Auf jeden Fall haben wir es hier mit einem unerhört spannenden Thema zu tun, das offensichtlich noch viel zu wenig erforscht wurde.

  2. Hallo, Patrick

    Hier die gewünschte Quelle

    Selbstmord mit einem Scheinmedikament?

    Ein 26 Jahre alter Mann ist schwer depressiv und dann verlässt ihn auch noch seine Freundin. Der US-Amerikaner will sich das Leben nehmen, schluckt 29 Kapseln, die er tags zuvor bekommen hat, weil er an einer Studie über Antidepressiva teilnimmt. Kurz darauf zittert er, atmet heftig, der Blutdruck fällt rapide – er bereut die Überdosis und lässt sich von einem Nachbarn in eine Notaufnahme fahren.

    „Helfen Sie mir, ich habe alle meine Pillen genommen“, sagt er noch, dann kollabiert er. Nach ein paar Stunden finden die Ärzte heraus: Ihr Patient gehört zu jener Gruppe von Studienteilnehmern, die ein Placebo bekommen hat – ein Scheinmedikament ohne einen Wirkstoff. Als der Patient davon erfährt, verschwinden seine Symptome innerhalb einer Viertelstunde.

    Ein unschädliches Präparat mit schädlichen Nebenwirkungen; ein Scheinmedikament, das nicht heilt, sondern Beschwerden verschlimmert und vermeintlich krank macht: Das ist der Nocebo-Effekt. Quelle: planet-wissen.de

    Carolus Magnus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*